(wS/red) Kreuztal 18.07.2026 | Für die Frauen und Männer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei war es ein Einsatz an einem brütend heißen Dienstagnachmittag. Ein schwerer, ein kräftezehrender – aber einer, auf den seitdem unzählige weitere folgten. Alarm, ausrücken, arbeiten, zurück in die Wache, Fahrzeug wieder einsatzbereit machen. Der nächste Melder piept oft schon, bevor die Einsatzkleidung getrocknet ist.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Ligno Park 1 in Kreuztal-Ferndorf war es etwas anderes. Für sie war es der Tag, an dem sie ihr Zuhause von einem Moment auf den anderen verlassen mussten – ohne zu wissen, ob es Tage, Wochen oder Monate dauern würde, bis sie zurückkönnen. Und dieser Tag ist bei ihnen nicht abgehakt. Er ist geblieben.
Knapp vier Wochen nach dem Brand haben sich die Bewohnerinnen und Bewohner nun mit einem Leserbrief an wirSiegen.de gewandt – mit der ausdrücklichen Bitte, ihn zu veröffentlichen. Sie möchten sich bedanken. Bei allen.

Leserbrief aus Kreuztal-Ferndorf: Nach dem Feuer im Ligno Park sagen die Bewohner Danke – an ALLE, die geholfen haben
Was an diesem 23. Juni geschah
Gegen 16:20 Uhr wurde im Dachbereich des Wohnhauses im Ligno Park Feuer entdeckt. Nachbarn schlugen Alarm, und eine zufällig in der Nähe befindliche Notarztwagenbesatzung des DRK Ferndorf erkannte die Lage, meldete sie der Feuerwehr und begann noch vor deren Eintreffen damit, Bewohner auf die Gefahr aufmerksam zu machen und aus dem Gebäude zu holen. Die Einsatzkräfte wurden unter dem Stichwort „Feuer 4 – Dachstuhlbrand“ alarmiert, kurz darauf folgte die Hochstufung auf „ManV 1″.
Rund 80 Einsatzkräfte waren am Ende vor Ort – neben der Feuerwehr Kreuztal und Einheiten aus dem Umkreis unter anderem der Rettungsdienst, das Deutsche Rote Kreuz, die Malteser und die Polizei. Über die Drehleiter und parallel über einen Innenangriff mit Riegelstellung verhinderte die Feuerwehr, dass sich das Feuer im komplett in Holzbauweise errichteten, vierstöckigen Gebäude weiter ausbreitete. Verletzt wurde bei dem Brand niemand. 15 Personen wurden vom DRK betreut, einer Person ging es bei der Hitze und der Aufregung so schlecht, dass sie vor Ort behandelt und anschließend in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Die Marburger Straße blieb bis kurz nach 20 Uhr voll gesperrt.
Am Ende dieses Tages stand für die Menschen aus dem Ligno Park fest: Sie können nicht nach Hause. Der gesamte Wohnkomplex war gesperrt, das Gebäude wurde noch am selben Abend von den Beamten beschlagnahmt.
wirSiegen.de hat an diesem Tag und am Tag danach ausführlich berichtet:
Großeinsatz im Ligno-Park Ferndorf: Dachstuhl fängt Feuer – rund 80 Einsatzkräfte vor Ort und Brand im Ligno Park Kreuztal: Wohnkomplex nach Feuer unbewohnbar – Kriminalpolizei ermittelt, Gebäude beschlagnahmt.
Was bleibt, wenn die Blaulichter weg sind
Hilfe im Einsatz ist auf Minuten getaktet. Sie funktioniert, weil sie geübt ist, weil jeder Handgriff sitzt, weil Menschen ihre Freizeit, ihre Nächte und ihre Kraft dafür geben. Und dann ist sie vorbei. Die Schläuche werden eingerollt, die Fahrzeuge fahren zurück, und schon am nächsten Tag steht die nächste Einsatzstelle im Kalender. Wer beim Rettungsdienst, bei der Feuerwehr oder bei der Polizei arbeitet, hat seit dem 23. Juni sehr viele weitere Menschen in sehr vielen weiteren Ausnahmesituationen erlebt.
Für die, denen geholfen wurde, verhält es sich genau umgekehrt. Für sie war das kein Einsatz unter vielen, sondern ein einmaliger Einschnitt. Wohnung, Erinnerungsstücke, das gewohnte Bett, der eigene Schlüssel an der eigenen Tür – von einem Nachmittag auf den anderen unerreichbar, ohne jede Gewissheit, wie lange. Manche standen in kurzer Hose auf der Straße, andere wurden im Rollstuhl oder am Rollator aus dem Gefahrenbereich gebracht. Vier Wochen später ist der Schrecken dieses Nachmittags bei einigen noch immer sehr nah, und das Erlebte wird sie noch eine ganze Weile begleiten.
Genau deshalb wiegt dieses Dankeschön so schwer. Es kommt nicht aus dem ersten Impuls heraus, sondern nach Wochen – in denen man Zeit hatte, in Ruhe zu sortieren, wer an diesem Tag alles da war.
Der Leserbrief im Wortlaut
„Am Dienstag, den 23. Juni 2026 kam es bei uns im Ligno Park 1 in Kreuztal – Ferndorf zu einem Dachbrand. Im Zuge dessen haben wir umfassende Hilfe und Unterstützung erfahren, für die wir uns auf diesem Weg ganz herzlich bedanken möchten. Besonders zu erwähnen sind hier:
• Die Notarztwagenbesatzung, welche zu diesem Zeitpunkt zufällig in der Nähe war und sofort geholfen hat
• Die Feuerwehr Kreuztal, welche sehr schnell vor Ort war und alle anderen Einheiten der Feuerwehren aus dem Umkreis, die dadurch Schlimmeres verhindern konnten
• Dem Deutschen Roten Kreuz mit seinen vielen MitarbeiterInnen, die uns so hilfreich zur Seite gestanden haben
• Der Polizei Kreuztal, welche für die Absperrung der Straßen und unter anderem für die Sicherheit unseres Wohnhauses gesorgt haben
• Die Hubschrauberbesatzung Christoph 25 Siegen, die mit unterstützt hat
• Der WERN Group für ihren klimatisierten Rettungsbus
• Das Hotel Bürger in Kaan Marienborn, welches kurzfristig BewohnerInnen von uns aufgenommen hat
• Die Diakonie Bethesda in Freudenberg, die sofort einen Platz für eine Bewohnerin mit besonderem Bedarf zur Verfügung gestellt hat
und ALLE, die uns an diesem Tag auf unterschiedlichste Art und Weise geholfen haben.
Wir werden Ihnen das nicht vergessen.
Die BewohnerInnen des Hauses Ligno Park 1 in Kreuztal“
Ein Dank, der weit über die Blaulichtfamilie hinausgeht
Bemerkenswert an dieser Liste ist, wie weit sie reicht. Neben Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und Luftrettung stehen dort ein Unternehmen, das seinen klimatisierten Rettungsbus zur Verfügung stellte, ein Hotel, das an einem heißen Sommerabend kurzfristig Zimmer freimachte, und eine Einrichtung, die ohne Zögern einen Platz für eine Bewohnerin mit besonderem Bedarf organisierte.
Und all jene, die auf keinem Foto zu sehen sind
Weder eine Aufzählung noch die Bilder dieses Nachmittags können vollständig sein. Im Ligno Park waren erheblich mehr Menschen im Einsatz, als ein Bildausschnitt zeigen kann. Und es waren Nachbarn, die anschließend selbst mit anpackten, wo gerade Hände gebraucht wurden. Sie tragen keine Einsatzkleidung, sie tauchen vielleicht in keinem Einsatzprotokoll auf – geholfen haben sie trotzdem.
Das ist es, was an solchen Tagen trägt: nicht nur die Technik und die Ausbildung, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der Menschen und Einrichtungen in der Region einspringen, wenn es darauf ankommt. Und genau darum steht am Ende des Leserbriefs jener Satz, der niemanden vergisst: der Dank an ALLE, die an diesem Tag auf unterschiedlichste Art und Weise geholfen haben.
Die Bewohnerinnen und Bewohner des Ligno Park 1 haben es in einen einzigen Satz gefasst, und dieser Satz braucht keine Ergänzung:
„Wir werden Ihnen das nicht vergessen.“








Fotos: wirSiegen.de – Die Aufnahmen zeigen nur einen Teil der an diesem Tag eingesetzten Kräfte und Helfer.
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