Offener Brief des Bündnis aktiver Sportfreunde Fans: "Das Maß ist voll!"

logo_sportfreunde_Siegen(wS/red) Siegen – In einem offenen Brief fordert das „BaSF – Bündnis aktiver Sportfreundefans“ offen zu legen, wie es zur aktuellen desaströsen Situation rund um den auf den Abstiegsrängen befindlichen Fussballregionalligisten Sportfreunde Siegen kommen konnte.

Hier der Offene Brief im Wortlaut…

Das Maß ist voll – Es ist Zeit für eine Abrechnung und für eine Bestandsaufnahme

Wir müssen uns nichts vor machen! Die 1. Herrenmannschaft der Sportfreunde Siegen wird sportlich aller Voraussicht nach absteigen und die Spielbetriebs-GmbH möglicherweise noch davor Insolvenz anmelden. Wir können eins und eins zusammen zählen. Auf der Jahreshauptversammlung wurde seitens des Vorstands gesagt „Das Geld reicht erst mal bis April!“ Zwischenzeitlich konnten zwar Gelder generiert werden, dennoch klafft eine eklatante Deckungslücke im laufenden Etat. Geht man davon aus, dass mit der ursprünglich genannten Unterdeckung ein Spielbetrieb bis April gesichert ist und zieht die veröffentlichten Zahlen an neuen Sponsorengeldern mit in die Rechnung ein, muss man zu dem Schluss kommen, dass Ende April bis spätestens Mitte Mai die Lichter im Leimbachtal ausgehen.

Daher ist es an der Zeit, schonungslos offen zu legen, wie es aus unserer Sicht, soweit kommen konnte. Vielleicht kann das helfen, zumindest noch den Verein zu retten.

1. Vorstand

Zuerst sei gesagt, dass wir uns völlig im Klaren darüber waren und sind, dass dieser Vorstand völlig unzulänglich arbeitet! Jedoch tut er dies bestmöglich im Rahmen seiner Fähigkeiten und man musste sich gerade vor der letzten Jahreshauptversammlung bewusst werden, dass es niemanden gab, der es besser machen konnte oder wollte. Dies reicht allerdings als Entschuldigung bei weitem nicht aus!

Es steht weiterhin eine nicht unerhebliche Deckungslücke im Raum. Dass uns dieser Umstand kurzfristig das Genick brechen kann, brauchen wir niemandem zu erklären. Die nächste Insolvenz steht unmittelbar bevor. Und eine erneute Insolvenz wird der Verein ganz sicher nicht überleben. Hier müssen nun endlich die Kräfte gebündelt und Ego-Trips beendet werden! Viele Chancen wurden schlichtweg verpennt. Oder aber, und das wiegt erheblich schwerer, ignoriert. Durchgehend wurden auch wir aktiven Fans nicht ernst genommen. Vorschläge, Hilfs- und Unterstützungsangebote aus unseren Reihen wurden weder angenommen, noch umgesetzt.

Wir sind von dem mittlerweile eingeschlagenen Weg des Vorstandes im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Firma msc Sports weiterhin überzeugt, jedoch muss zwingend eine personelle Änderung herbeigeführt werden. An der Doppelfunktion von Ulrich Steiner als Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH und 1.Vorsitzender des Gesamtvereins in Personalunion hat sich nichts getan. Es gibt Mitglieder des Vorstandes, die durch ihre Art und ihr Handeln mittlerweile untragbar für den Verein Sportfreunde Siegen geworden sind! Deren unprofessionelles Verhalten werden wir, zum Wohle des Vereins und seines Umfeldes, nicht weiterhin ohne öffentliche Kritik und Aussprache hinnehmen!

2. Öffentlichkeitsarbeit

Immer wieder ist es einfach nur ernüchternd und unprofessionell, wie sich die Akteure des Vereins in der Öffentlichkeit geben, oder eben wie sie sich nicht geben und ihre eigentliche Tätigkeit links liegen lassen. Hier muss auch die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit des Vorstands bei der Vorstellung neuer Sponsoren, neuer Verträge und anderer wichtiger Ereignisse genannt werden. Transparenz und beruhigendes agieren im Sinne der Fans, sowie der Sponsoren scheint nach wie vor nicht gewollt zu sein. Öffentlichkeitswirksame Kommunikation findet nur statt, wenn das Wasser, wie im vergangenen November, bis zum Hals steht. Ebenfalls wird es uns immer unbegreiflicher, warum man es trotz Personals im Medienbereich nicht fertig bringt, eine Werbekampagne zu starten und dabei durch einfachste PR-Aktionen auf sich und die Heimspiele aufmerksam zu machen. Es kann nicht zu viel verlangt sein, ein Mindestprogramm für die überlebenswichtigen Spiele in der Regionalliga auf die Beine zu stellen und dieses nach außen hin zu bewerben.

3. Wirtschaft

Der demographische Wandel macht auch oder vielleicht sogar gerade vor dem Siegerland keinen Halt. Die Bevölkerung wird immer älter und weniger junge Menschen kommen nach. Etliche Schulen im Siegerland werden mangels ausreichender Zahl an Schülern geschlossen. Gut ausgebildete Jugendliche und junge Erwachsene verlassen in großer Zahl die Region und orientieren sich in die Ballungszentren. Diese Situation wird sich zukünftig auch verstärkt auf dem Arbeitsmarkt nieder schlagen. Die Unternehmen in unserer Region werden massive Probleme dabei bekommen, die hoch spezialisierten Stellen mit entsprechenden Fachkräften zu besetzen. Wir brauchen Menschen, die aus den Ballungsgebieten um uns herum in die Region kommen, um hier zu leben und zu arbeiten. Diesen Menschen muss man jedoch etwas bieten. Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe und qualifiziertesten Mitarbeiter ist in vollem Gange!

Wagen wir einen Blick nach Süddeutschland, genauer gesagt auf die Ostalb. Für junge Leute sicher nicht die Region, aus der die Träume gemacht sind, jedoch sehr vergleichbar mit der unsrigen.

Trotzdem boomt die Wirtschaft in dieser Region seit Jahren überdurchschnittlich. Damit dies auch so bleibt, brauchen die Unternehmen allerdings fähige und qualifizierte Mitarbeiter und hier haben die Firmen vor Ort verstanden, dass man weiche Standortfaktoren schaffen muss, die neben dem überdurchschnittlichen Gehalt in dieser Region, den entscheidenden Ausschlag geben können. Gleich zwei hochklassige Vereine tummeln sich aktuell in einem Bereich, der in etwa so groß ist wie der Kreis Siegen-Wittgenstein ist. Der VFR Aalen und der 1. FC Heidenheim sollten Vorbilder für die Sportfreunde, aber vor allem auch für die hiesigen Unternehmer sein. Firmen wie Voith oder die Hartmann AG werden nun sogar hier genannt, obwohl sie 500 km entfernt beheimatet sind. Diese leisten in der Ostalb einen wichtigen Beitrag für die Zukunft und die Lebensqualität einer ganzen Region.

Liebe Siegerländer Unternehmer, tun Sie es diesen Firmen gleich! Noch nie war es so einfach, eigene Vorstellungen in diesen Verein einzubringen und auf diese Weise aktiv die Zukunft mit zu gestalten.

4. Politik

Wir kommen nicht umhin, an dieser Stelle auch die Verwaltung und den Rat der Stadt Siegen zu erwähnen. Die Lokalpolitik hat, ebenso wie die heimische Wirtschaft, den Vorteil eines hochklassig spielenden Fußballvereins bisher nicht erkannt. Im Vorfeld der Kommunalwahl im vergangenen Jahr war Bürgermeister Steffen Mues häufig im Umfeld der Sportfreunde zu sehen und erzählte viele schöne Dinge. Hier sei beispielhaft die zugesicherte Renovierung der Sanitäranlagen hinter der Haupttribüne erwähnt. Nach der Wahlkampfzeit endete dieses Engagement aber genauso schnell, wie es gekommen war. Dies ist ein unhaltbarerer und dreister Zustand! Wir müssen offenbar den Akteuren im Rathaus die Vorteile aufzeigen, welche ein bundesweiter Spielbetrieb der Sportfreunde Siegen bedeuten würde: Mal abgesehen von der Werbung und dem Image der Region, würden auch die Gastronomiebetriebe in der Siegener Innenstadt von mehreren hundert Gästefans, die alle zwei Wochen in der Region zu Gast sind, profitieren. Somit würden, neben einer merklichen Belebung der Innenstadt, auch die Gewerbesteuereinnahmen der Stadtkasse steigen. Dass der Stadtrat in vergleichbaren Angelegenheiten ähnlich katastrophal agiert, zeigte sich zuletzt am Beispiel Porsche Zentrum.

Wir fordern die Politik auf, Alles zu unternehmen, um einen Spielbetrieb der Sportfreunde aufrecht zu erhalten! Notfalls auch durch ein Sponsoring kommunaler Unternehmen, wie zum Beispiel der SVB!

5. Mannschaft

Diese Mannschaft kann es besser! Da sind wir uns sicher. Natürlich muss sie dafür in jedem Spiel bis an die absolute Grenze gehen, aber dann kann sie Spiele wie im DFB-Pokal gegen den FSV Frankfurt abliefern. Diese Leistung wird viel zu selten abgerufen. Ein weiteres positives Beispiel ist das Auswärtsspiel in Rödinghausen. Auch hier konnte ein durch und durch überzeugender Sieg eingefahren werden. Es ist uns schleierhaft, wieso dieses Potenzial nicht öfter ausgereizt wird. Wenn man dann in der Presse liest, dass sich Teile des Teams zu höheren Aufgaben berufen fühlen, dann können wir nur sagen: Viel Erfolg und gute Reise! Allerdings sollten sie ihren Job hier erstmal vernünftig zu Ende bringen!

Hört auf, uns mit allerlei Phrasen hin zu halten, die Partie gegen Hennef war eine an Frechheit nicht zu überbietende Darbietung! Im folgenden Vergleich an der Essener Hafenstraße konnte man sehr genau erkennen, dass einige der Jungs im Sportfreunde-Trikot nicht mehr alles geben. Das muss sich ändern! Sofort! Hier sind Führungsspieler wie Serkan Dalman, Dominik Poremba oder Mark Zeh gefordert! Wir haben Euch bis vor zwei Wochen den Rücken frei gehalten. Jetzt erwarten wir eine Reaktion! Wir erwarten für die letzten Spiele in JEDEM Match 110% Willen, 120% Einsatz und 1899% Kampf. Dies sind die einzigen Forderungen die von uns an die Mannschaft gestellt werden, aber auch keinen Deut weniger.

6. BaSF

Auch wir müssen unser Verhalten hinterfragen und uns einiges vorwerfen. Dies wollen wir an dieser Stelle ganz offen und ehrlich sagen! Wir haben nach außen hin stets versucht, trotz unterschiedlichster Strömungen innerhalb der Fanszene, die Ruhe zu bewahren und diese auch bis zum heutigen Tag aufrecht erhalten. Im Endeffekt müssen wir uns jedoch eingestehen, dass wir das radikale Denken und Verhalten, welches die Kritiker uns ansonsten immer wieder vorwerfen, nicht an den Tag gelegt haben, um einen Umschwung zu erzielen und um den Druck auf alle Beteiligten zu erhöhen. Jetzt ist es fünf vor zwölf und wir haben mit der ausgestrahlten Ruhe zwar das Ziel von ruhigem Arbeiten für die Mannschaft, für Vereinsangestellte und für den Vorstand erreicht, die Ergebnisse sind aber in allen genannten Bereichen ungenügend und mehr als besorgniserregend. Wir werden in den kommenden Wochen, schonungslos und ehrlich, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ausschöpfen und nutzen, um den Untergang unseres geliebten Vereins zu verhindern!

7. Fans/Zuschauer

Viele werden sich nun fragen wieso dieser Punkt hier mit in der Aufzählung erscheint. Doch aus unserer Sicht haben die Sportfreunde viel zu wenige echte Fans und zu viele Zuschauer. Gerne möchten wir auch darauf etwas genauer eingehen. Wir haben die letzten anderthalb Jahre Fans vermisst, die sich einbringen und etwas bewegen wollen. Natürlich gab es immer mal wieder den Einen oder Anderen, der eine Idee hatte. Wenn diese eine Idee jedoch nicht umgesetzt wurde, dann verzog man sich beleidigt. Auch wir haben viele Ideen und Ansätze vorgetragen, welche aus diversen Gründen nicht umgesetzt wurden (s.o.), doch wir sind bei der Stange geblieben.

Allgemein kann man sagen, dass die Siegener und Siegerländer Bevölkerung sich viel zu wenig mit dem Verein mit der größten Strahlkraft der gesamten Region identifiziert. Das meinen wir mit der Aussage „zu wenige Fans, zu viele Zuschauer“. Viele Menschen möchten sich einfach nur „ein“ Fußballspiel angucken, ob das nun der TuS Erndtebrück oder aber der 1. FC Kaan –Marienborn ist, spielt scheinbar eine untergeordnete Rolle. Menschen, denen die Sportfreunde Siegen tatsächlich am Herzen liegen sind leider rar gesät. Ohne Diskussion, das Interesse an den Sportfreunden ist vorhanden. Vielen sind die Ergebnisse des vergangenen Spieltages bekannt oder sie erfragen diese. Wenn jedoch etwas nicht klappt, dann ertappt man viele Menschen dabei, wie sie sagen „Ich wusste es schon immer, die Lommels die können einfach nichts.“ Ein weiteres Problem ist der Faktor Bundesliga. In unserer Region ist es einfach und schnell möglich, Bundesligafußball zu sehen. So kommt es, dass viele Sportfreunde-Interessierte inzwischen lieber in das Ruhrgebiet oder das Rheinland fahren, anstatt zusammen hier vor Ort etwas zu bewegen. Nur dafür braucht man nämlich gar nicht groß etwas zu tun, sondern wirklich einfach nur ins Stadion kommen. Dass es anders geht, zeigen viele Beispiele in vergleichbaren Städten oder Vereinen.

Hört endlich Alle mit Eurem Neid und eurer Missgunst auf! Nur, wenn wir Alle zusammen an einem Strang ziehen, können wir etwas erreichen. Nur, wenn Alle mithelfen, können wir wieder Highlights wie 2005/2006 live und direkt vor Ort erleben. Das Potenzial hat die Region! Es muss dazu jedoch etwas passieren. Es muss ein Umdenken stattfinden. Das kleinliche Kirchturmdenken muss aufhören. Nur so haben wir eine Chance.

8. Ausblick

Das Szenario, dass die nächste Insolvenz vor der Tür steht, ist nicht unwahrscheinlich. Uns ist klar, dass es sehr schwierig ist, im Laufe einer Saison, die bereits weit fortgeschritten ist, größere Summen für die 1. Mannschaft zu generieren, während diese Woche für Woche die notwendigen Punkte liegenlässt. Daher sind wir der Meinung, dass zumindest alle Kräfte gebündelt werden müssen, um zumindest den Verein vor der Insolvenz zu retten. Hier kann Jeder helfen und spenden!

Siegener, identifiziert Euch mit den Sportfreunden!

BaSF – Bündnis aktiver Sportfreunde Fans

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